02 November 2011

forest


Ich fuhr einige Zeit mit dem Rad herum. Hielt hier und da, stets die Kamera gezückt, schoss ein paar Fotos. Hobbys die man mit Leidenschaft lebte, waren nun mal die beste Therapie. Ich fuhr weiter, etwas nach vier war es, schon ein wenig dunkler. Ich beschloss trotzdem in den Wald zu fahren. Wie schön alles aussah, goldener Herbst, die Sonne schien Orange durch die Bäume hindurch. Grüner Wald dekoriert mit dunkelrot orangenen Bäumen. Normalerweise fuhr ich an der ersten Kreuzung links, aber dieses Mal fuhr ich geradeaus. Im weiter in den Wald hinein, tiefer und tiefer. Ich verlor schon nach kurzer Zeit die Orientierung, aber das machte nichts.

ich werde dein lachen vermissen.

Musik in den Ohren, der Wind verwehte meinen Mantel, Hände und Wangen waren eiskalt. Ich fuhr rechts, vorbei am Ölberg, zurück ins Dorf, dann wieder links, machte kehrt fuhr geradeaus. Fuhr herum ohne ein bestimmtes Ziel zu haben.

ich würde deine Stimme vermissen.
 
Ich trat in die Pedale wieder und wieder. Ich versuchte vor dem Gedanken zu fliehen, du und ein anderes Mädchen. Ich fuhr den Bürgersteig hoch und wieder runter. Unentschlossen war ich, so verdammt unentschlossen.

du hast gesagt, es würde dir leid tun.
ich weiß.

Es war schon ganz dunkel geworden, mein Licht ging nicht, egal. Ich wechselte auf die Straße, dachte gar nicht daran mich an die Seite zu halten, warum auch? war doch platz. Ich breitete die Arme aus, schloss die Augen, trat in die Pedale, der Wind strich sanft über mein Gesicht. Ich war frei, so frei. Autos hupten, machten ihr Fernlicht an, überholten. Ich zeigte ihnen den Finger.

Ich würde vermissen, wie du immer um den heißen
brei herumredest, auch wenn es mich mehr als alles
andere nervt.


Ich fuhr im Kreis, straßenlaternen leuchteten mir schwach den Weg. Ich fuhr dem Wald entgegen, schwarz wie die Nacht, aber unendlich schön. Ich überquerte den kleinen Hügel und verschwand im Wald, würde eins mit der dunkelheit. Ich fuhr noch einige Umwege ehe ich zuhause ankam. 18 Uhr war es.
Ich kam die Tür herein, keiner sagte Hallo, fragte wo ich war, wie es mir ginge. Nichts.

weißt du, 
mir tut es auch leid.