19 Dezember 2011

du musst still sein




Er schnauft während er sich ächzend zur Seite rollt. Er stinkt, das tut er immer. Nach Wein und
Zigaretten und nach Schweiß. Alles was er tut stinkt. Ich will dass er aufhört, mit all dem. Er
dreht sich wieder ein Stück zu mir, streicht mir die Haare aus dem Gesicht, die ich mir zuvor
ins Gesicht strich. Darüber legte ich meine Hände ab, damit ich nichts sehen kann. Einmal habe
ich hingesehen, er hat seine Augen  verdreht, dazu kam das stöhnen, während er sich auf mir, auf
und ab bewegte. Ich habe geweint,  ganz bitterlich und er hat immer zu "shh, shh" gesagt, sein
Gewicht schnürt mir die Luft ab, ich schreie und er legt seine Hand auf meinen Mund. Seitdem
mache ich immer die Augen zu und schalte meinen Kopf aus, ich denke an eine Wolke auf der
ich  sitze und auf der fliege ich dann weg, ganz weit weg. Dorthin wo es ihn nicht gibt.
Er drückt mir  einen Kuss auf und seine Bartstoppeln kratzen mein Kinn.

An meinem Geburtstag da hat alles angefangen. "Kommst du mit mir das Geschirr holen?", hatte er
gefragt und ich nickte. Ich konnte spüren wie er meinen Rücken musterte, als ich das Geschirr aus
dem Schrank holte. "Schönen Po,  hast du", sagte er lachend und legte seine Hand dort ab. Danach 
fing er immer öfter an, mich anzufassen, überall. Jedes Mal habe ich nein gesagt, aber er hat gesagt, 
dass es ok wäre. 


"War schön mit dir", flüstert er über meinem Mund und seine Hand gleitet sanft über meine  Brust,
in meinen Slip. Ich zucke zusammen, wünsche mich auf meine Wolke. "Gefällt dir das nicht?", 
fragt er erstaunt. "Nein", erwidere ich zitternd. "Nein."

Mama wird später kommen und das Bettlaken wechseln, doch sie wird die Flecken nicht sehen, 
weil sie sie nicht sehen will. Sie wird das laken in die Waschmaschine stecken und sagen: "Schlaf
gut, morgen ist ein neuer Tag, ein besserer." Und an ihrem Blick kann ich sehen, dass sie genauso
gut weiß wie ich, dass sie lügt.