03 Dezember 2011

unhinged



Du kamst nach Hause. Immer öfters gingst du durch die Haustür, anstatt dass du durch die Terassentür kamst, weil die doch viel näher dran ist. Schlosst die Haustür auf, gabst ein kurzes Hallo von dir und fragtest nach einer Telefonnummer. Man sah dir an, es ging dir nicht gut. Ich weiß. Dir geht es schon seit Jahren nicht mehr gut und ich weiß dass du weg willst. Hast die vier Nummern gewählt und in deiner Stimme hat man gehört, dass du geweint hattest. Wütentbrand hast du in das Telefon geschriehen, so laut und so wütend, dass die Person am anderen Ende gar nicht zu wort kam. "Ja, tschüss" hattest du geschrien, den roten hörer gedrückt und bist ins Wohnzimmer gestürmt, deine nase lief und unzählige tränen, hast rumgeschrien und warst dann weg. ganz plötzlich ohne ein wort, ohne dir die Rechtfertigungen der anderen anzuhören. Nach einem kurzen warten, bin ich dir nachgelaufen, ich hab mit mir gekämpft, sollte ich gehen, sollte ich nicht? Ich tapste auf Zehenspitzen, in Richtung deines Zimmers, lies das Flurlicht aus, versuchte nicht zu atmen. Vor deiner Tür angekommen, stand ich einige Zeit regungslos davor. Ich spähte durch das Schlüsselloch, alles schwarz und durch die Tür drang ein lautes schluchzen, welches du zu kontrollieren versuchtest. Ich dachte an damals, du hattest Stühle umgeschmissen und hast viel geweint, irgendwann saßt du nur noch auf der Eckbank und hast ins leere gestarrt, fast als seist du tot. Ich legte meine Hand um die Türklinge und für einen kurzen Moment war ich sicher, sie runterzudrücken, für dich dazusein. Doch mich überkam wieder die Unsicherheit. Das schluchzen hinter der Tür verstummte. Ich drückte die Klinke herunter, betrat das dunkle Zimmer und suchte nach dem Lichtschalter. Ich vernahm, dass Geräusch deiner Decke, knipste das Licht an und tapste zu dir. Du schautest, zur Wand und ich legte einen Hand auf deine Schulter, du zucktest kurz zusammen und verfielst sogleich wieder in heftiges Zittern, deine Augen weit aufgerissen, zur Wand gerichtet, deine Nase lief und du warst am Weinen. Ich habe zu dir gesprochen, aber du hast nie geantwortet, ich wurde lauter. Keine reaktion. Warscheinlich hast du nichtmal vernommen, dass ich überhaupt da war. Ich saß noch einige Zeit neben dir, sagte kein wort, nur meine Hand ruhte auf deiner Schulter. Ich weiß nicht wie lange du noch geweint hast, wie lange du noch dalagst und gezittert hast. Ich löste meine Hand warf dir einen letzten Blick zu, und deine Augen waren immer noch zu der Wand gerichtet. Knipste das Licht aus und tapste leise in mein Zimmer. Ich zündete Kerzen an, legte mich in mein Bett und weinte, weinte so viel ich konnte, um einen ganz bestimmten Gedanken zu verdrängen. Ich kann die zwei Jahre nicht wegschmeißen, aber manchmal da drohe ich zu ertrinken.

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