16 Januar 2012

leergeweint




Alles ist unordentlich und mein Zimmer spiegelt das am ehsten wieder. Spiegelt das Chaos in 
meinem Kopf und in meinem Herzen wieder. Wenn ich schlafen gehe, ziehe ich mich 
irgendwo in meinem Zimmer aus und irgendwo an dieser Stelle landen dann auch meine Klamotten.
Irgendwo zwischen Büchern, Fotos, anderen Klamotten und unzähligen Papierfetzen. Ich habe dir Briefe  geschrieben. Sechs Stück. Das sind meine: "Für-den-Fall-der-Fälle-Briefe". Sechs Manuskripte,  die alle anders anfangen, aber doch irgendwie gleich endigen. Sie endigen alle Samt mit der Feststellung
Es ist zu früh. 
Es ist zu früh, deine Hand loszulassen, die Bilder abzuhängen, die Erinnerungen 
verblassen  zu lassen. Es ist zu früh, aufzuhören zu träumen. Weck mich nicht, ich will noch weiter träumen.  Es ist zu früh Gefühle zu vergessen. Es ist zu früh für einen Neuanfang, zu früh für einen 
Neuanfang. - Ohne dich. Das erscheint mir zu früh  und vor allen Dingen nicht richtig. Ich will mich nicht eines Tages  im bettliegend und mit nassem Blick, fragen "Was wäre wenn ich dass und das gemacht hätte." Ich will  in meinem Bett liegen und sagen können, dass ich es versucht habe. Dass ich gekämpft habe. 

Vielleicht werde ich dir einen dieser Briefe persönlich in die Hand drücken, vielleicht werde ich ihn
aber auch nur vor deine Haustür legen, klingeln und weglaufen und alles so aussehen lassen, als 
wäre es ein klingelstreich. Dann werde ich zurück zum Bahnhof laufen, ganz langsam, so als hätte ich
alle Zeit der Welt. Nur in der Hoffnung, dass du mir vielleicht nachkommst, mich bei der Hand 
nimmst, eine kehrtwende machst und mir nach langem schweigen sagst, dass du es auch zu früh 
findest.