14 Januar 2012

vergissmeinnicht


"Ich versuche, Ordnung wiederherzustellen.
Doch hast du während eines Orkans
schon einmal jemanden fegen sehen?"



Und mein Blick folgt den Scherben, die du langsam hinter dir fallen gelassen hast, als du weggingst. Sag mir, wie lange stehst du dort schon? "Ich bin nie gegangen, ich hatte meinen kleinen Finger immer noch an deiner Hand." Bist du jetzt gegangen? Ich sehe dich nicht mehr. Alles was ich vor mir sehe ist ein verschwommenes Scherbenmeer. Ein paar davon sind blutig, die anderen nicht. Aber Scherben bringen ja Glück, nicht wahr? Und nun stehst du dort, wir sind losgelaufen, ein paar Mal bin ich auf die Fresse geflogen, aber ich war so betrunken vor glück, dass ich davon nichts merkte. Erst als ich nüchtern war, habe ich meine Wunden geleckt und sie mit Pflastern versehen. "Bitte nicht öffnen" habe ich draufgeschrieben. Aber ich bin wieder hingefallen und mein Herz humpelt dir dennnoch hinterher, ruft leise dass du warten sollst. Es möchte nicht wahrhaben, dass du bereits am Ziel bist, ich kann schon gar nicht mehr dein Gesicht sehen, nur verschwommen, nicht von den Tränen, eben weil du so weit weg bist. Aber bedeutet das Ziel, auch gleichzeitig das Ende? Lass uns weiterlaufen, noch ein paar Meter. Ein paar Kilometer. Hunderte. Vielleicht auch tausende. Jetzt wäre nichts mehr da, was glücklich macht, wärst du weg. Die Straßen sind gefüllt, hunderte Gesichter blicken mir entgegen, aber dennoch sind die Straßen Menschenleer. Tausend Worte schwirren in meinem Kopf, so viel was ich dir sagen möchte, schrieb dir einen Brief, aber das Blatt blieb weiß. Vielleicht gab ich zu wenig, wollte zu viel. Schwiegen zu viel, redeten zu wenig. Gedankenmeere die wüten und uns das Land nehmen. Man sagt doch, wenn man stirbt, zieht in wenigen Sekunden das Leben an einem vorbei. Vielleicht passiert auch genau das, wenn du das Gefühl hast, dich von jemandem trennen zu müssen, den du unglaublich liebst. So viele Momente suchen mich in den letzten Tagen heim, alles zieht an meinen Augen vorbei. Wie ein Film, nur in schwarz-weiß, ohne Ton und in Zeitlupe, die großen Momente, aber auch die winzigen, damit ich auch ja nichts vergesse. Wir sind gekentert auf diesem Meer der Gefühle, aber nie gänzlich untergegangen. Wir sind immer wieder gestrandet. Ich werde noch lange schwimmen können und wenn wir untergehen, habe ich noch den Strohhalm an welchen ich mich klammere, um atmen zu können. Alles was fehlt ist nur der Abspann: "Fortsetzung folgt" oder das flackernde Bild mit dem Titel. "Happy End."

sieh nur, dort oben.
Den Schriftzug auf meinem T-Shirt. Ich habe es bedrucken lassen.

"last boy on my mind.
"

Ich wollte es dir gleichtun. Wollte dir etwas zurückgeben klar, es ist nichts im Gegensatz zu deinem Tattoo. Aber das war  meine "Überraschung". Von der ich seit geraumer Zeit sprach. Du wolltest sie immer wissen. Ich schätze, jetzt weißt du sie.
Vielleicht gefällt sie dir ja trotzdem..