08 Januar 2012

zu nah, zu fern, geh weg, komm her.




Ich habe versucht mir alles einzuprägen, nur für den Fall, dass eines Tages der Tag kommen 
würde,  an dem ich allein zu dir laufen würde, nur um dich zu bitten, nicht zu gehen. Vorbei an 
dem Verkaufsschild, an dem Zigarettenautomaten und dann über die Straße. An jenem 
Samstagabend hattest du meine Hand fester gedrückt und mich ein wenig nach hinten gezogen,
damit mir nichts passiert und ich hatte mich so beschützt gefühlt. Vorbei an der Schule, den
Kiesweg entlang. "Lass und zurück gehen" hatte ich gesagt. "Wir haben noch eine Stunde".
Du hast nur gelacht und nein gesagt, und dass wir eine Stunden bräuchten um zurück und
wieder hinzulaufen. Aber das war mir ega. Immerhin wäre es eine Stunde mehr gewesen.
Eine Stunde mehr mit dir. Und hätte ich gewusst, dass es die letzte sein würe,
dann hätte ich mich deinem willen widersetzt. Zwar hättest du dann diese Stunde nicht mehr
mit mir geredet, aber das wäre mir um ehrlich zu sein egal gewesen. Ich hätte dich anschauen
können, weil ich dich anschauen könnte und das stundenlang, genauso wie ich Stundelang
von dir erzählen könnte.

Wir sind die Treppen runtergelaufen, haben unsere Zukunft gealbert, sind über die Straße
gelaufen und ich wusste, der Abschied rückte näher. Genau 12 Minuten hatten wir noch
12 Minuten um zum Bahnhof zu laufen, das Ticket zu kaufen, uns zu Verabschieden.
ZWÖLF BESCHISSENE MINUTEN ZU WENIG. 

Ich hoffte so sehr, dass irgendwas passieren würde. Der Automat ging nicht, der Zug käme
nicht. Aber das traf alles nicht ein, nichts davon. Du hast mir die Stirn geküsst und als wir
uns küssten, sagtest du dass ich die schönste sei, die süßeste. Und wenn ich so daran denke
wie jemand anderes das zu mir sagt, klingt es hässlich. Ich habe dich so lang küssen wollen,
bis ich schließlich als letzte einstieg. Ich liebe dich, habe ich gesagt. Hinterher
ein "bis dann", so als wäre es das normalster der Welt. Bis dann. Als ich mich setzte 
und nach rechts blickte hast du dort gestanden und traurig geguckt. 2 Minuten hatten wir noch
also lief ich zur tür, drückte den Knopf, holte mir ein Kuss ab, die Tür schloss sich und 
ich drückte erneut. "ich liebe dich", sagtest du und ich besiegelte diesen Satz mit
einem Kuss.Danach ist die Tür zugegangen und sie ging nicht wieder auf. 
Und du hast nur dort gestanden, mich durch diese Glassscheibe angegrinst
und warst einfach der schönste Junge auf Erden. 
Und wenn ich mich nur gut genug anstrenge kann ich sogar noch hören, wie du mir 
sagst, dass du mich liebst und dich dort stehen sehen mit deinem lächeln. 

Ich bin gegangen mit dem Gedanken an ein Wiedersehen. Hätte ich alles
vorher gewusst, hätte ich dir nie "bis dann" gesagt, so als wäre es das normalste der welt.
Und dir zugelächelt, als der Zug sich in Bewegung setzte und dich langsam hinter mir ließ,
hätte ich auch nicht.