17 Februar 2012

gewinner



"Auf die Plätze" und ich warf einen Blick neben mich. Sah zu den Leuten am Beckenrand, zum Schiedsrichter, zu dem Mädchen neber mir. "Fertig" - Pfiff. Und in diesem Moment drückte ich mich so fest vom Startblock ab wie ich nur konnte. Tauchte in das kühle Wasser ein und schwamm. Rechter Arm, linker Arm, Kopf zur Seite, Einatmen und das selbe Spiel begann von vorne und das 16 Bahnen lang.  Es war wieder Wochenende, einer dieser Tage in der Woche an denen es hieß sich zu beweisen, dass sich diese 4. Tage Training in der Woche lohnten. Das alles auch ausreichte, das ganze 1000 Meter schwimmen, das viele Ausdauertraining, laufen durch den Trimm-Pfad, die ganze Anstregung. Birgitt strich mir immer über die Schulter und lächelte mich kurz vorm Start immer breit an. Ich wusste was das hieß, neue Bestzeit. Du musst doch auf dem Treppchen stehen, deine Medaille abholen, später in der Zeitung stehen. Bei der Sportlerehrung aufgerufen werden. Das hieß das Lächeln. Weiter nichts. Aber wenn ich ehrlich bin, war das alles nie mein Ziel. Wenn ich langstrecken schwimmen musste, schwamm ich vor mich hin. Ich sollte den Kopf nach vorne geneigt haben, hatte ich nicht. Nie. Und ich wusste, dass ich mir deswegen Kritik anhören konnte, wenn ich mich völlig erschöpft aus dem Wasser zog. Stattdessen hatte ich meinen Kopf immer unten, habe die Kacheln auf dem Beckenboden gezählt und nachgedacht. Über alles. Gott und die Welt, habe mir mögliche Konversationen ausgemalt, die nie zustande kämen. Manchmal habe ich sogar so viel nachgedacht, dass ich vergessen habe zu atmen. Dann habe ich erst jeden sechsten, statt jeden dritten Zug ausgeatmet. Ab und an habe ich mal nach vorne geblickt, habe die Zahl jeweils am Bahnende gesucht. Dort waren immer Leute, die Tafeln in das Wasser hielten, damit man wusste, wie viele Bahnen man noch zu schwimmen hatte. Eine Bahn war 25m lang, ich brauchte für eine vielleicht 22 sekunden. Aber ich habe trotzdem immer vergessen, wie viele Bahnen ich schon geschwommen bin. Bestimmt weil ich immer zu viel nachgedacht habe. Meine Konkurrenz schwamm mal vor, mal hinter mir. Je nachdem wie viel ich nachdachte und eigentlich war es mir auch egal, wie weit vor oder hinter mir sie lagen. Wenn es an die letzten 50m ging, wurde die Schwimmhalle immer ganz laut. Die Leute am Beckenrand riefen und jubelten, riefen meine Namen. Birgitt sagte immer "GO GO GO!" und lief am Beckenrand geduckt neben mir her. "ja ja", habe ich nur gedacht und weiter die Kacheln am Boden gezählt. Die letzten 25m habe ich alles immer nur noch gedämpft gehört. "ZIEH ZIEH ZIEH ENDSPURT", habe ich nur noch gehört. Und dann habe ich meinen Kopf ausgeschaltet und nach vorne geblickt. Die Konkurrenz war ein wenig voran geschwommen, aber das war nicht schlimm. Aufgeben ist nicht drin, habe ich mir immer gedacht.

Aufgeben ist nicht drin.

Und dann habe ich als Erste am Beckenrand angeschlagen und habe triumphierend zur anderen Seite geschaut.  Ich bin uneinsichtig, ich weiß. Ich kann nicht akzeptieren, ich weiß. Und generell verstehe und mache ich Sachen erst auf den letzten Drücker oder wenn längst alles vorbei ist. 

Ich werde versuchen zu lächeln, auf wenn es mir schwer fällt.